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Einsamkeit im Alter ist mehr als Alleinsein

  • Autorenbild: Michael
    Michael
  • 18. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Wer über Einsamkeit im Alter spricht, denkt oft zuerst an Menschen, die allein wohnen, selten Besuch erhalten oder kaum noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Dieses Bild ist verständlich, aber es greift zu kurz. Einsamkeit ist nicht einfach gleichbedeutend mit Alleinsein. Ein Mensch kann allein leben und sich dennoch zufrieden, verbunden und innerlich ausgeglichen fühlen. Umgekehrt kann jemand viele Kontakte haben und sich trotzdem einsam fühlen.


Der entscheidende Unterschied liegt im persönlichen Erleben. Einsamkeit entsteht dann, wenn die vorhandenen sozialen Beziehungen nicht dem entsprechen, was eine Person sich an Nähe, Austausch, Verlässlichkeit oder Zugehörigkeit wünscht. Es geht also nicht nur um die Anzahl Kontakte, sondern um deren Qualität. Fehlen Gespräche, Vertrautheit oder das Gefühl, wirklich gesehen zu werden, kann Einsamkeit auch dort entstehen, wo auf den ersten Blick noch ein soziales Umfeld vorhanden ist.


Gerade im höheren Lebensalter kann sich dieses Gleichgewicht verändern. Beziehungen, die über Jahrzehnte selbstverständlich waren, fallen weg. Der Partner oder die Partnerin verstirbt, Freundschaften werden durch Krankheit oder Wegzug seltener, Mobilität nimmt ab oder der Alltag verändert sich nach der Pensionierung grundlegend. Solche Übergänge müssen nicht automatisch zu Einsamkeit führen. Sie können aber dazu beitragen, dass soziale Kontakte brüchiger werden und neue Begegnungen schwieriger entstehen.


Wichtig ist deshalb: Einsamkeit im Alter ist kein persönliches Verschulden. Sie ist auch kein Zeichen dafür, dass jemand «zu wenig unternimmt» oder sich nicht genug bemüht. Viele ältere Menschen wünschen sich durchaus mehr Austausch, wissen aber nicht, wie sie passende Kontakte finden können. Andere würden gerne an Veranstaltungen teilnehmen, trauen sich aber nicht allein hinzugehen. Wieder andere möchten niemandem zur Last fallen oder empfinden Scham, über ihre Einsamkeit zu sprechen.


Für die Schweiz zeigen aktuelle Daten, dass Einsamkeit im höheren Lebensalter kein Randphänomen ist. Laut Pro Senectute ist rund jede vierte Person über 55 Jahre betroffen. Bei Menschen über 85 Jahren liegt der Anteil sogar bei rund 37 Prozent. Alterseinsamkeit betrifft viele Menschen – oft leise, unsichtbar und ohne dass das Umfeld es richtig bemerken würde.


Wer über Alterseinsamkeit spricht, sollte nicht beschämen, sondern entlasten. Es hilft wenig, älteren Menschen zu sagen, sie müssten einfach «mehr unter Leute gehen». Oft braucht es keine grossen Schritte, sondern einfache, erreichbare Möglichkeiten: ein erstes Gespräch, eine passende Aktivität, eine Begleitung beim Einstieg oder eine Begegnung mit jemandem, der ähnliche Interessen teilt.


Einsamkeit kann reduziert werden, wenn Menschen vereinfachten Zugang zu neuen Kontakten und sozialer Teilhabe erhalten. Dafür braucht es Angebote, die nicht nur sichtbar sind, sondern auch tatsächlich genutzt werden. Denn zwischen dem Wunsch nach Kontakt und dem tatsächlichen Aktivwerden liegt für viele ältere Menschen eine grosse Hürde. Diese Hürde gilt es zu senken.

AREVIA bringt im Rahmen eines Pilotprojekts Menschen ab 65 Jahren in Bern zusammen, die ähnliche Interessen teilen. Wenn Sie sich mehr sozialen Austausch und neue Kontakte wünschen, können Sie sich noch bis Ende Juni 2026 kostenlos für das Pilotprojekt anmelden.




Quellen:

 
 
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